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Portraitfoto eines Freiwilligen beim Projekt Leben und Lernen.
Ein Freiwilliger beim Projekt Leben und Lernen unterrichtet junge Geflüchtete.

Erzählst du uns etwas über dich und wie du zum Projekt gekommen bist?

Ich bin Kurde und komme aus dem Irak. In Kurdistan hatte ich Mathematik studiert und als Lehrer unter- richtet, bis der Krieg ausbrach. Gemeinsam mit meinem Bruder und einigen Freunden kämpfte ich dar- auf im Irak und Syrien auf kurdischem Gebiet gegen den Islamischen Staat (IS). Vor 10 Jahren flohen mein Bruder und ich über Umwege in die Schweiz. Alle unsere Freunde verloren wir im Krieg, mein Bruder wurde schwer verletzt. In der Schweiz wollte ich mich beschäftigen und versuchte mehrfach, eine Arbeit zu finden, zum Beispiel als Umzugshilfe. Doch mein Asylstatus erlaubte mir nicht zu arbeiten. Ich vermisste meine Tätigkeit als Lehrer sehr und wollte nicht einfach nur Rumsitzen. Vor vier Jahren erzählte mir ein anderer Geflüchteter aus meiner Asylunterkunft – Schüler bei Leben und Lernen – von dem Projekt. Daraufhin begleitete ich ihn dorthin und sprach mit den Verantwortlichen. Ich erklärte ihnen, dass ich Mathematik studiert habe und mich gerne im Projekt engagieren möchte.

Was machst du genau?

Ich unterrichte zwei Mal pro Woche Mathematik. Meine Schüler:innen sind im Alter zwischen 16 und 20 und haben eine Fluchtgeschichte. Sie sind alle noch nicht lange in der Schweiz und wir bereiten sie auf den weiteren Bildungsweg vor. Nebst der Ma- thematik kann ich ihnen auch einiges über die Schweizer Kultur beibringen. Das ist mir auch persönlich wichtig, denn mir hat die Schweiz sehr geholfen. Auch schätze ich die Menschen in diesem Land und beispielsweise die Sauberkeit. Mit meinem Engagement kann ich wenigstens ein bisschen etwas weitergeben.

Was sind besondere Herausforderungen?

Bei uns gibt es Schüler:innen, die noch nie eine Schule besucht haben, manche können nicht ein- mal schreiben. Die Kommunikation kann sehr schwierig sein, weil wir keine gemeinsame Sprache haben. Das ist eine Herausforderung, aber auch interessant. Ich finde das Projekt Leben und Lernen enorm wichtig. Es kommen so unterschiedliche Kulturen in dieses Land und viele Leute kennen fast nur Krieg. Sie müssen konstant daran denken. Das Projekt gibt ihnen Ruhe, denn es geht nicht nur ums Lernen, sondern eben auch ums Leben. Wenn es das Projekt nicht gäbe, hätten diese jungen Menschen nur Probleme im Kopf und keine Beschäftigung.

Wie wirst du als Freiwilliger begleitet?

Wenn ich Fragen oder ein Problem im Unterricht habe, helfen mir die Mitarbeitenden bei Leben und Lernen immer weiter. Sie unterstützten mich auch beim Härtefallgesuch und anderen rechtlichen Fragen. Und mir wird das Abo für den lokalen Verkehr bezahlt. Ich könnte es mir gar nicht leisten. Ausser- dem sind sie mir eine grosse Hilfe im Privatleben, es sind Freundschaften entstanden. Auch mit den anderen Lehrpersonen habe ich einen guten Kontakt – es fühlt sich an wie eine Familie.

Engagierst du dich noch in anderen Projekten freiwillig?

Ich gehe mehrmals pro Woche bei Caritas Aargau im «Café Contact» vorbei und stelle mich spontan zur Verfügung, um vor Ort zu übersetzen, wenn es mit Personen, die neu in der Schweiz sind, Verständigungsschwierigkeiten gibt. Ich spreche Persisch, Arabisch, Griechisch, Russisch und natürlich Kurdisch. Daher kann ich mich mit vielen unterschiedlichen Menschen verständigen.

Projekt Leben und Lernen

Das Projekt Leben und Lernen unterstützt geflüchtete Jugendliche und junge Erwachsene im Alter zwischen 16 und 24 Jahren. Ziel ist es, ihnen Stabilität zu geben und sie bestmöglich auf ihre  Zukunft vorzubereiten. Das Projekt ist Teil des  Kantonalen Integrationsprogramms KIP und umfasst ein Lernatelier, Kurzberatungen und Coachings, Mentoring sowie gezielte Aufgabenhilfe für junge Geflüchtete in der Lehre. Freiwillige mit  verschiedenen beruflichen Hintergründen tragen massgeblich zum Erfolg des Projekts bei.