Der Aargauer Sozialpreis 2026 geht ins Fricktal
Manchmal braucht es jemanden, der einfach zuhört. Jemanden, der geduldig erklärt, wie das Smartphone funktioniert. Oder Menschen, die dafür sorgen, dass trotz einer Demenzerkrankung Lebensfreude und Gemeinschaft Platz haben. Hinter solchen oft unscheinbaren Momenten stehen engagierte Freiwillige. Fünf besonders eindrückliche Projekte wurden mit dem Aargauer Sozialpreis ausgezeichnet.
Mit dem Sozialpreis würdigen benevol Aargau und die drei Aargauer Landeskirchen Menschen, die ihre Zeit, ihre Fähigkeiten und ihr Herzblut für andere einsetzen. Es bewarben sich 43 Projekte - diese Zahl zeigt eindrücklich, wie weitverbreitet und vielfältig freiwilliges soziales Engagement im Aargau ist. Bis zum 7. September konnte die Bevölkerung online mitbestimmen: Ihre Stimmen zählten zu einem Drittel, das Urteil der Jury zu zwei Dritteln. Die Jury setzt sich zusammen aus Vertretungen von benevol Aargau und von den Aargauer Landeskirchen sowie aus Persönlichkeiten aus Politik, Verwaltung, Medien und gemeinnützigen Projekten. Die ausgezeichneten Projekte stehen stellvertretend für viele Menschen im Aargau, die nicht wegschauen, sondern anpacken – und damit ein Vorbild für andere sind.
Drei Siegerprojekte – drei besondere Formen der Menschlichkeit
Beim «Ankerplatz Demenz Fricktal» des Vereins «teilhaben» zählt nicht zuerst die Diagnose, sondern der Mensch mit seinen Wünschen, Fähigkeiten und seiner Freude am Leben. Jeden Mittwoch schenken Freiwillige jung an Demenz erkrankten Menschen ihre Zeit, begleiten sie mit Einfühlungsvermögen und Humor und schaffen einen Ort, an dem sie sich angenommen fühlen und selbstbestimmt teilhaben können. Ein Ankerplatz, an dem die Jungbetroffenen ihren Tag gemeinsam gestalten, an dem sowohl Leichtigkeit herrscht wie auch Raum für tiefe Gespräche geschaffen wird. Als Pilotprojekt 2025 gestartet, wurden bereits über 2500 Stunden Freiwilligenarbeit geleistet. Für dieses aussergewöhnlich menschliche Engagement erhält das Projekt den ersten Preis, der mit 5000 Franken dotiert ist.
Was für viele selbstverständlich ist, kann andere vor grosse Hürden stellen: eine Nachricht verschicken, ein Online-Formular ausfüllen oder das Smartphone bedienen. In der «Computeria Wohlen» nehmen sich Freiwillige Zeit, hören zu und erklären geduldig – ohne Zeitdruck und auf Augenhöhe. So geben sie Menschen mit geringen digitalen Kenntnissen oder begrenzten finanziellen Mitteln ein Stück Selbstständigkeit und Sicherheit zurück. Sie lernen, das Halbtax-Abonnement auf das Smartphone zu laden, die Steuerrechnung online auszufüllen oder die Multifaktor-Authentifizierung einzurichten. Das Projekt des Kirchlichen Regionalen Sozialdienstes (KRSD) Wohlen und Umgebung der Caritas Aargau wird mit dem zweiten Preis und 3500 Franken ausgezeichnet.
Gemeinsam singen, über sich hinauswachsen und erleben, was möglich wird, wenn alle ihren Teil beitragen: Der «Jugendchor Seetal» ist weit mehr als ein Chor. Junge Menschen finden hier einen Ort, an dem ihre Ideen und Talente Platz haben und aus vielen Einzelnen eine Gemeinschaft entsteht. Mit Gesang, Tanz, Theater, Bühnentechnik und Liveband bringen sie unter professioneller Leitung eindrückliche Aufführungen auf die Bühne. Hinter diesem Erlebnis steht das grosse Engagement der vielen Freiwilligen im Förderverein Jugendchor Seetal, die über 3000 Stunden dafür einsetzen. Dafür erhält das Projekt den dritten Preis und 2500 Franken.
Zwei Anerkennungspreise für Nähe und Begegnung
Wenn Jung und Alt voneinander lernen, gewinnen beide Seiten. Beim Projekt «Generationen im Klassenzimmer» von Pro Senectute Aargau bringen rund 430 Seniorinnen und Senioren Woche für Woche ihre Lebenserfahrung, Geduld und Zeit in über 80 Aargauer Schulzimmer ein. Sie begleiten Kinder im Schulalltag, unterstützen Lehrpersonen und erleben selbst, wie bereichernd der Kontakt zwischen den Generationen ist. Dieses Miteinander wird mit einem Anerkennungspreis von 1000 Franken gewürdigt.
Ein Gespräch kann einen einsamen Tag verändern. Genau darauf baut das Angebot «malreden» des Vereins Silbernetz Schweiz, das gerade für seine Niederschwelligkeit geschätzt wird: Geschulte Freiwillige sind am Telefon für ältere Menschen da, hören aufmerksam zu und schenken ihnen kostbare Zeit und echtes Interesse. Die Gespräche sind kostenlos und anonym. Für diesen leisen, aber wichtigen Beitrag gegen Einsamkeit erhält «malreden» ebenfalls einen Anerkennungspreis von 1000 Franken.
Ein Abend des Dankes
Die Feier im Saal der Katholischen Kirche in Lenzburg rückte die Menschen in den Mittelpunkt, die sich mit Ausdauer, Kreativität und Mitgefühl für andere einsetzen. Rund 100 Vertreterinnen und Vertreter der nominierten Projekte, der Jury und der Trägerorganisationen würdigten die ausgezeichneten Initiativen. Grossratspräsident Urs Plüss überbrachte das Grusswort des Aargauer Parlaments voller Demut, Dankbarkeit und Hoffnung.
Musikalisch umrahmt wurde die feierliche Preisverleihung durch ein Ensemble der Kantorei Lenzburg. Der Apéro zum Abschluss bot Gelegenheit für den Austausch und die Vernetzung untereinander. Insgesamt wurden Preisgelder von 13’000 Franken vergeben. Was die Freiwilligen darüber hinaus an Engagement investieren und den Menschen Zeit schenken, lässt sich nicht in Franken messen: Zugehörigkeit, Zuversicht und das gute Gefühl, nicht allein zu sein.
Weitere Informationen: www.sozialpreis-ag.ch
Die Jury
Christoph Weber-Berg, Kirchenratspräsident der Reformierten Landeskirche Aargau
Jürg Hagmann, Vizepräsident des Kirchenrats der Christkatholischen Landeskirche Aargau
Monika Imboden, Vorstandsmitglied von benevol Aargau
Christina Roth, Vize-Stadtpräsidentin von Lenzburg sowie Präsidentin der Mitte Frauen Schweiz
Loranne Mérillat, Leiterin des Kantonalen Sozialdienstes Aargau
Anne-Käthi Kremer, TV-Moderatorin und Mitglied des Stiftungsrats der Heimgärten Aargau
Severin Frenzel, Leiter der Fachstelle Diakonie der Römisch-Katholischen Kirche im Aargau.